Ist sich ein Alexi
(jemand, der an Alexithymie „leidet") darüber bewusst, wenn
er jemanden verletzt? Nein, wie denn auch. Er hat es von
Kleinkindalter nicht gelernt.
Es ist als Partner eines
Alexis nicht einfach sich das jedesmal wieder ins Gedächtnis zu
rufen und sogar zu entschuldigen. Entschuldigen kann man das auch
nur zu einem gewissen Grad.
Vorwürfe an den Alexi
nützen allerdings auch nicht, denn er wird es nicht
„begreifen". Es wird sogar eher zu einer noch weiteren
Distanz kommen, da Vorwürfe eine weitere Belastung für den Alexi
ist womit er nicht umgehen kann. Sein Körper reagiert dann meist
mit Migräneanfällen oder Magen-Darm Problemen.
Es ist für uns Stinos
(Stinknormale, wie ich es nenne) schwer zu verstehen, wieso ein
Alexi unsere Tränen vielleicht zwar sieht, sie aber nicht deuten
kann und uns tröstet , indem er uns (von sich aus) in
den Arm nimmt, oder mit Worten uns liebkost, Komplimente
macht oder mehr.
Partner von
Alexithymie-Betroffenen werden immer und immer wieder von der
Gefühlskälte überrascht.
„Wie kann er denn
nicht sehen, das ich traurig bin?"
Weil er es nie gelernt
hat. Und das schon in seiner sehr frühsten Kindheit. Damit ist
gemeint, in der Zeit nach der Geburt, bis zum Einschulungsalter. Es
fehlt in der Zeit die intensive
Affekt- Spiegelung
zwischen dem Kind und der Mutter. Das heisst, der empathische
Austausch zwischen Mutter und Kind.
Ein
Beispiel:
Wenn eine Mutter bemerkt,
dass sich ihr Baby in einem unruhigen - d.h. affektiv unregulierten
Spannungszustand befindet, weiss sie intuitiv, wie sich ihr Baby
fühlt. Fast jede gesunde Mutter kann die Affektzustände ihres
Kindes deuten und somit angemessen handeln.
Beeinträchtigt wird diese
Fähigkeit durch schwerwiegende Belastungen, verschiedene seelische
Erkrankungen, wie Depressionen der Mutter.
Die Mutter wird den
Affekt des Babys nicht nur identifizieren, sondern ihn mit ihrem
Kind empfinden. Sie wird ihn also mit ihrem Kind teilen (affect
sharing).
Dies läuft in hoher
Geschwindigkeit meist unbewusst und unwillkürlich
ab.
Wenn ein Kind hinfällt
und nicht weiss in den ersten Sekunden, ob es weinen oder nicht
weinen, soll, weil es noch nicht einordnen kann, und es in das
Gesicht der Mutter sieht, ,wird es die Reaktion der Mutter in ihrem
Gesicht ablesen und dem entsprechend reagieren. Wenn die Mutter
lächelt, wird das Kind wahrscheinlich erst zögern und dann auch
lächleln. Wird die Muter aber Erschrockenheit in ihrem Gesicht
zeigen, dann wird das Kind weinen.
Die Mutter zeigt also in
ihrem Gesicht zu dem Kind: „ Ich weiss wie Du dich
fühlst und ich zeige Dir dies in meinem Gesicht. Schau deshalb
genau in mein Gesicht und lerne aus ihm, wie Du dich selber fühlst.
Aber ich weiss auch, wie ich Deinen Horror beenden kann und ich
zeige Dir dies ebenfalls in meinem Gesicht. Ich werde das immer
tun, wenn Du es brauchst. „
Kein anderes Objekt ist
für das Baby so wichtig und interessant, wie das Gesicht der Mutter
und vor allem deren Blick. Das Gesicht der Mutter spiegelt dem Kind
also ein kognitives Feedback von dessen wieder, wie sich das Baby
fühlt. So erfährt es emotionales Lernen.
Wenn dies nicht gegeben
ist von Geburt bis zum Einschulalter, fehlt diese Verknüpfung zum
Lymbischen System im Gehirn, da wo wir Gefühle
wahrnehmen.
Somit kann man glaube ich
jetzt ein wenig verstehen, wieso ein Alexi weder bei sich selbst,
noch bei anderen Gefühle lesen kann.
(Fortsetzung
folgt....)
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